Main area
.

Warum wird gedopt?

Treppe-der-VersuchungDie Entwicklung einer „Dopingmentalität“ beginnt bereits sehr früh und mit Mitteln, die zwar nicht als Doping gelistet sind, aber mit derselben Absicht bzw. zum selben Zweck eingesetzt werden. Schon kleinen Kindern wird beigebracht, dass sie nur „etwas nehmen“ müssen, um Prüfungsangst, Verkühlung oder Unkonzentriertheit überwinden zu können. Immer wieder wird die zwingende Notwendigkeit von zusätzlichen Mitteln behauptet, um die Leistung zu steigern. Ohne diverse Mittelchen sind Erfolge nicht möglich, so das Motto.

Die Wenigsten denken am Beginn ihrer Sportkarriere daran, sich später einmal Spritzen zu verabreichen oder regelmäßig Tabletten zu schlucken. Die "Doping-Laufbahn" geständiger Sportler zeigt aber nahezu immer den selben Verlauf: Begonnen wurde mit der Einnahme von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln. Später kam der verstärkte Konsum von Schmerzmitteln oder auch Suchtmitteln dazu. Schließlich waren die Hemmschwellen im Laufe der Zeit schrittweise soweit abgebaut, dass selbst Spritzen gesetzt wurden und Mittel im Graubereich der Legalität genommen wurden. Ab da machte es dann subjektiv kaum einen Unterschied mehr, ob in der Spritze oder Pille dann eine verbotene Substanz war. Die Art der Darreichung hatte sich ja nicht geändert, nur der Inhalt.

Die Gründe für die Anwendung von leistungssteigernden Mitteln sind so zahlreich wie vielschichtig. Einige der Motive treffen eher auf den Spitzensport zu, andere eher auf den Breiten- und Freizeitsport. Meistens gibt kein Motiv für sich alleine stehend den Ausschlag für Doping bzw. Substanzmissbrauch.

Zu den individuellen Gründen für Doping oder Substanzmissbrauch zählen beispielsweise:

  • Der Versuch, die eigene Leistung zu steigern oder auf einem gewissen Niveau zu halten, um die Chance zu erhöhen, Erfolge zu erzielen
  • Der Versuch, schneller zu regenieren oder Schwächephasen möglichst zu vermeiden
  • Der Versuch, Pausen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen entstanden sind, möglichst zu reduzieren oder entstandene Trainingsrückstände möglichst schnell auszugleichen
  • Das Bestreben, das drohende (altersbedingte) Karriereende möglichst hinauszuschieben 
  • Die Angst, mit dem Karriereende auch das soziale Umfeld zu verlieren
  • Speziell im Spitzensport die Sorge, ohne den Sport keine berufliche Perspektive zu haben
  • Der Wunsch, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen
  • Die Neugier auf bestimmte Wirkungsweisen oder das Nachahmen von Bezugspersonen oder Vorbildern
  • Der oftmals auch unbewusste Wunsch, durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe die eigene Unsicherheit abzubauen und Anerkennung zu bekommen

Neben diesen individuellen Gründen gibt es gerade, aber nicht nur im Spitzensport, eine ganze Reihe an Gründen für Doping oder Substanzmissbrauch:

  • Wer vom Sport leben muss, ist eher geneigt, seinen Körper als Werkzeug zum Geldverdienen zu betrachten.
  • Ein schlechtes Ergebnis kann sich negativ auf Medienberichterstattung und Sponsorgelder auswirken.
  • Nur die Besten kommen ins Team - nur die Besten erhalten Fördergelder.
  • Oftmals kommt der Druck (unbewusst oder unabsichtlich) auch vom eigenen Umfeld - Wer will schon gerne seinen Verein, seine Fans oder seine Freunde enttäuschen?
  • Klar ist, je mehr Wettkämpfe es gibt, umso höher ist der Leistungsdruck.
  • Durch eine zu hohe Anzahl an Wettkampfteilnahmen oder Trainingseinheiten sinkt die Anzahl der notwendigen Regenerationszeiten
  • Ist der härtester Gegner nur so gut, weil er gedopt ist? Schaffen meine Konkurrenten ihre Leistungen nur, weil sie nachhelfen? Allein diese Frage ist für einige bereits Anlass, selbst zu Doping oder Substanzmissbrauch zu greifen, um nicht benachteiligt zu werden.
  • Sport dient heute als Wettkampf der Nationen. Um das eigene Land möglichst gut dastehen zu lassen, sind mitunter auch illegale Mittel recht.

Es gibt viele Gründe, für Doping oder Substanzmissbrauch. Die Entscheidung für sauberen und gesunden Sport trifft jeder einzelne für sich alleine, aber alle Personen aus dem Umfeld können ihn dabei bestärken, dass Doping und Substanzmissbrauch im Sport keinen Platz haben. Nur auf Erfolge, die man aus eigener Kraft geschafft hat, kann man stolz sein, denn hartes Training braucht kein Doping.